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Wolfgang Suchardt über Erich Sauer, 1998

Je nachdem , mit wem er gerade Gespräche führte, steckte
man Erich Sauer nicht selten in ein politisches Fach, ob in das
schwarze, rote, gelbe oder ein übriges. So wie es seine
Skulptur "Archiviert" besagt. Die es taten haben ihn nie
begriffen. Wenn er mit seinen Bronzeplastiken Partei nimmt,
dann für Menschlichkeit, dann für die Opfer. Wo er Täter
bloßstellt, würdigt er Opfer in besondere Weise. Er ist ein
sanfter, zurückhaltender Künstler. Doch wo es gegen seinen
Moralcodex geht, da kennt er kein Tabu. Da ist er ohne
Schonung kompromisslos. Es zählt keine politische Autorität.
Er zeigt die Verwundungen und Verletzungen der Menschen
und der Welt. Dahinter lässt er Visionen des Besseren er-
kennen. Er ist Mahner. Seine unmissverständliche und unum-
stößliche Position gegen gesellschaftliche Fehlentwicklungen,
gegen den Missbrauch der Existenzbedingungen des Men-
schen, ergibt sich aus seinem grundsätzlichen Bekenntnis
zum Humanismus.

Erich Sauers Ästhetik des Erschreckens rüttelt auf. Mit
monumentaler Wucht, feinsinniger Darstellung und verblüf-
fender Einfachkeit ringt er um die Überwindung der Gleich-
gültigkeit. Wohl wissend, dass sich dieses maßlose Programm
nicht erfüllen lässt und der Kampf um eine gerechte Welt kaum
Aussichten hat, hält er daran unbeirrt fest. Diesem Bewusstsein
entspringt das Verschmelzen mit faszinierender resignativer
Melancholie. Wäre ich Pessimist, begegnet er Vorwürfen,
würde ich nicht mehr arbeiten. Weit von einem Propheten
entfernt, zeigt er auf: So wird es kommen. Dennoch lässt er
stets Auswege offen, für die List, zu überleben. "Ich kann mei-
ne Gedanken nicht anders ausdrücken", rechtfertig er sich
beinahe. Und bringt mit hoher künstlerischer Meisterschaft
elementare Wahrheiten, die Bücher füllen könnten, auf den
Punkt. Seit Jahren dominiert dabei als Kanon der stilisierte
menschliche Körper. Die "Gewöhnung" an dieses Credo-
symbol und schmerzhafte Offenheit nehmen einige Zeitge-
nossen allerdings zum Vorwand, um sich Erich Sauers Kunst
nicht stellen zu müssen. Die nationale und weltweite Aner-
kennung des Bildhauers beweist ihren Nachholebedarf.